Appeltatenmajestät 2011
Krönungstag: 4. September 2011
Wie aus Beate die 23. Appeltatenmajestät wurde
Es trug sich zu, vor gar nicht allzu langer Zeit...
Dass Ritter Sven der Sanftmütige seine Burgfrau Beate in die Stadt begleitete auf der Suche nach neuen Brillenbügeln für ihre „Switch-it"-Brille. Beate konnte mitunter recht launisch sein und das beste Mittel dagegen war ein hübsches Geschenk, um sie zu versöhnen. Auch hatte sie in ihrer Spardose bereits viele blanke Taler angespart, so dass Sven ihr diesen Herzenswunsch gern erfüllen wollte.
Es war Freitag der 12. und das Wetter so ungemütlich wie die meisten Tage im August des Jahres 2011. Auf ihrem Weg kamen sie im Geschäft „Optik Rodewald" vorbei, wo Sven schon bald ein wunderschönes Modell entdeckte. Als der Kauf beschlossen war, trat die tüchtige Händlersfrau Ulrike an Beate heran und überredete sie mit einer List, sich an der bevorstehenden Apfelolympiade zu beteiligen. Sie stellte ihr schöne Gewinne in Aussicht, zum Beispiel den dritten Platz, einen Brillengutschein im Wert von 150 Euro. Beate überlegte nicht lange, denn die Aussicht auf noch mehr schöne Wechselbügel hatte ihren Verstand vernebelt. Schon stand sie auf der Liste für die Vorrunde und es gab kein Entrinnen mehr.
Gehorsam fand sich Beate zum vereinbarten Termin auf dem Marktplatz ein und musste als eine von 6 Frauen einen kraft- und nervenzehrenden Wettbewerb bestehen: eine lange Apfelspirale schälen, Minigolf spielen und Armbrustschießen. Beate schaffte den 3. Platz und qualifizierte sich für die alles entscheidende Endrunde, die zwei Wochen später stattfinden sollte. Die Tage vergingen wie im Flug und Beate hatte nur einmal Zeit zu üben.
Und dann kam er, der Tag, der entscheidenden Schlacht, der das Leben von Burgfrau Beate in seinen Grundfesten erschüttern sollte. Beate machte sich zu Fuß auf den Weg zur Wettkampfstätte Marktplatz und sann über ihr Schicksal nach. Allein die Aussicht auf einen 3. Platz und damit den erhofften Gutschein machte ihr Mut. Doch was, wenn sie nun den 2. Platz erringen würde??? Der Preis ist eine Küchenmaschine. Doch derer bedarf Beate nicht mehr, hatte sie doch bereits eine in ihrem Hausstand. Der Entschluss stand fest: sie würde mit der Drittplatzierten zu tauschen versuchen. Bestimmt sei diese keine Brillenträgerin und zudem über ein solches Angebot überglücklich. Als der Marktplatz in Sichtweite kam, schlich sich ein neuer Gedanke an - was aber, wenn sie - Beate den Kampf gewinnen würde??? Ausgeschlossen! Die Rivalinnen waren unberechenbar stark. Und, wenn doch??? Na ja, dann ist das ebenso ...
So erreichte Beate den Stand der Apfelolympiade. Und da waren sie schon - 5 mutige und zu allem entschlossene Frauen aus edlen Häusern. Wie sollte Beate, die beinahe Unbekannte, diesem Druck standhalten? Zum Glück hatten sich Ritter Sven und drei ihrer tapferen Söhne sowie ein paar Verbündete von den umliegenden Burgen unter die Schaulustigen gesellt, fest die Daumen drückend und bereit, auch die Schmach eines schrecklichen Versagens mit ihr zu teilen.
Aber da ertönte auch schon das Signal zum Start; die Apfelspirale sollte geschält werden in drei kurzen Minuten. Doch, oh Schreck! Kaum begonnen, da war der Apfel bereits abgeschält und es war erst eine Minute vergangen. Beate begann zu verzweifeln; das konnte unmöglich reichen! Schnell schälte sie noch einen zweiten Apfel, aber, auch der würde keine längere Schale hergeben. Traurig ließ sie das Schälmesser sinken und wartete auf das Urteil der unfehlbaren und unbestechlichen Jury. Doch, was war das? Ihre Schale war die längste und brachte 5 Punkte! Das konnte nicht mit rechten Dingen zugegangen sein - der Apfel war verzaubert - so viel war sicher. Beim Minigolfen gab es ein hartes Ringen. Zweimal mussten die Frauen alles geben, bis endlich die Punkte verteilt werden konnten. Beate bekam 2,25 Punkte. Nun kam die alles entscheidende letzte Runde, das Armbrustschießen, bei dem es die meisten Punkte zu gewinnen gab. Beate war als letzte an der Reihe. Sollte sie auf den Apfel zielen für 5 Punkte? Nein, das Risiko war einfach zu groß. Drei sichere Schüsse auf den Kopf des hölzernen Walters für je 3 Punkte sollten genügen - für? Ja, für den Sieg!!! Und wieder musste Zauberei im Spiel gewesen sein. Die Pfeile der Favoritinnen aus der Vorrunde hatten zum Teil das Ziel verfehlt, aber Beates Pfeile landeten sicher mitten auf dem Kopf.
Dann ist es ebenso, dachte sie und wurde auch schon im nächsten Moment zur Appeltatenmajestät 2011 ausgerufen.
Und so wurde aus der launischen Burgfrau - Königin Beate die Glückliche, die am kommenden Sonntag um 15 Uhr vor dem Rathaus feierlich gekrönt wird. Ritter Sven ist nun Prinzgemahl und mächtig stolz auf seine tapfere Königin.
Und, wenn sie nicht gestorben sind, dann lachen sie noch heute mit allen Freunden und Nachbarn, die sich lustige Scherze mit „Ihrer Majestät'' erlauben.
PS: Wir haben am 23. Januar vor 23 Jahre geheiratet - Schicksal eben
(Brief als Dankeschön an Ulrike Rodewald)
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